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150 Jahre Leiden - Ikonographie der Kriegsfotografie 1853-2003 / Bakk


Nr. 58
150 Jahre Leiden - Ikonographie der Kriegsfotografie 1853-2003 / Bakk
In dieser Arbeit werden durch eine ausgeprägte Literaturrecherche die ikonographischen Veränderungen der Kriegsfotografie von den frühen Kriegen des 19. Jahrhunderts bis zu den postmodernen Kriegen der Gegenwart wiedergegeben.
28,750 Wörter (ca. 71.9 Seiten) | 66 Quellen | 2007


Inhaltsangabe:

150 Jahre liegen zwischen den Anfängen der Kriegsfotografie im Krimkrieg von 1853 und der High-Tech Kriegsbildberichterstattung im Irakkrieg von 2003. Dennoch haben diese Kriege, wie auch alle zwischen ihnen liegenden, einen gemeinsamen Nenner: Sie alle versuchten, das Medium der Fotografie nicht für kulturelle, sondern vornehmlich für militärische und propagandistische Zwecke zu gebrauchen.
Die propagandistische Nutzung des Mediums Fotografie entlarvt nämlich auch dessen Schwäche: Zwar täuschen die fotografischen Abbildungen physischer Ereignisse Authentizität vor – ob die abgebildeten Ereignisse aber der Wirklichkeit entsprechen, lässt sich ihnen nicht entnehmen. In diesem Zusammenhang soll vor allem die Rolle der Bildlegende im Rezeptionskontext des Bildes näher untersucht werden.
Gerhard Paul vertritt die Ansicht, dass sich „sowohl der industrialisierte Krieg der Vergangenheit als auch der elektronische Krieg der Gegenwart letztlich der bildlichen Repräsentation entzieht“. Somit sind alle in der Kriegsbildberichterstattung gefertigten Bilder im Endeffekt nur Versuche, dem Krieg ein Gesicht zu verpassen – sei es ein humanisiertes, ästhetisiertes, entkörperlichtes oder entbrutalisiertes. Das prinzipiell antizivilisierte Ereignis Krieg sollte durch den Einsatz der visuellen Abbildung eine zivilisierte Form einnehmen – wenn auch nur in den Köpfen der Betrachter dieser Fotografien. Sie gaben ihm eine Ordnungsstruktur, die der Krieg per se nicht hat.
Neben dem offiziell vermittelten Bild des Krieges gelangte aber auch immer wieder sein inoffizielles, tabuisiertes Gesicht an die Öffentlichkeit. Von Kriegsgegnern aus eigenen Reihen oder als Propagandawaffe der gegnerischen Seite produziert, zeigten sie statt Militärparaden die zerstörten Schlachtfelder. Statt den Soldaten als Helden zu sehen, zeigten sie von Saldaten entstellte Kriegsopfer oder eine Leiche, statt Gewinn, war nur Verlust zu sehen.
Ein weiterer Aspekt, den diese Arbeit verfolgt, ist die Frage nach den Beweggründen für oder gegen die Darstellung von Leid, Tod und Gewalt in den Fotografien des Krieges. Warum wird Leiden in den Kriegsbildern dargestellt? Wie wird es rezipiert? Welche Rolle spielen die Massenmedien dabei?
Siegfried Kracauer beschäftigte sich bereits 1927 mit den Möglichkeiten der Fotografie und ihren Platz in den Massenmedien und stellte dabei kritisch fest, dass die künstlichen Bilder der Realität die eigentliche Realität ablösen würden. Ein weiterer Kritikpunkt an der Fotografie war, dass sie die Realität aus dem Zusammenhang bringen würde: „Die »Bildidee« vertreibt die Idee, das Schneegestöber der Photographien verrät die Gleichgültigkeit gegen das mit den Sachen Gemeinte.“
Jeder Krieg kreierte dabei eine eigene ikonographische Identität, einen ästhetischen Code, den der Mensch bis heute mit dem Wort Krieg assoziiert. Seien es die Grabenkämpfe aus den Fronten des Ersten Weltkriegs, die Bilder des von sowjetischen Soldaten eingenommenen Berliner Reichstags am Ende des Zweiten Weltkriegs, die Atombombenaufwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, das Bild des gefallenen Soldaten im Moment seines Todes aus dem spanischen Bürgerkrieg, die Straßenexekution eines Vietkonganhängers durch den Südvietnamesischen Polizeichef oder der Sturz der Saddam Statue in Bagdad – es sind allesamt Bilder, die die Rezeption des Krieges während und nach der Kampfhandlungen maßgeblich beeinflusst haben.
Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter der industriellen Revolution, löste durch die Erfindung der Fotografie aber auch eine visuelle Revolution aus, die die Wahrnehmung der Menschen fundamental veränderte. Wurde die Fotografie im frühen 19. Jahrhundert wegen ihrer im Gegensatz zur Malerei maschinellen Bildproduktion noch als „Teufelskunst“ in Frage gestellt, trat ihr medialer Siegeszug dennoch innerhalb weniger Jahrzehnte ein. Was zuvor als Wirklichkeit wahrgenommen wurde, waren Dinge, derer sich der Mensch mit seinen eigene Augen vergegenwärtigen konnte. Durch die technisch erzeugten und beliebig reproduzierbaren Bilder, die die Fotografie fertigte, wurde die visuelle Welterfahrung nach außen hin, über den eigenen Lebenshorizont und dessen Wirklichkeit hinaus, ausgeweitet. Die Fotografie vermittelte dem Menschen die Illusion, Teilnehmer der darin abgebildeten Wirklichkeit zu sein, ohne sich dabei jedoch auf eine physische Empfindung stützen zu müssen. Die Kraft der Bilder, neue, authentisch erscheinende Realitäten zu kreieren, wurde auch von den politischen Machthabern erkannt und zum Zwecke der Kriegsdokumentation und Propaganda gebraucht. Während in den Kriegen des 19. Jahrhunderts, dem Krimkrieg und dem Amerikanischen Bürgerkrieg die Möglichkeiten der Fotografie (auch bedingt durch das frühe technische Entwicklungsstadium der Fotoapparate) nur vereinzelt voll ausgenutzt wurden, vollbrachten die frühen industrialisierten Kriege des 20. Jahrhunderts, der Erste und Zweite Weltkrieg, einen Quantensprung im Gebrauch der Fotografie zu den Zwecken der Kriegsführung. Die technischen Möglichkeiten wurden immer größer, womit auch die Möglichkeit der Bilder, eine modifizierte Realität zu kreieren, expliziter genutzt wurde. In den folgenden Kriegen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dem spanischen Bürgerkrieg, dem Vietnamkrieg wie den Golfkriegen von 1991 und 2003 wurden die Techniken zur Bildpropaganda und der militärischen Kontrolle über die Bildhoheit im Krieg noch mehr erweitert und effektiver ausgeübt. Diese Arbeit soll durch die chronologische Behandlung der Kriege die Entwicklung der Kriegsfotografie u.a. geschichtlich nachvollziehbar machen.



Outline:

Vorwort
Erkenntnisinteresse
Theorie
Die Kriegsfotografie im 19. Jahrhundert
Der Krim-Krieg (1853-1856)
Der amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865)
Fotografie im 1. Weltkrieg (1914 – 1918)
Der mediatisierte Krieg
Deutsche Kriegsfotografie
Alliierte Kriegsfotografie
Fotografie im Spanischen Bürgerkrieg (1936 – 1939)
Der erste Medienkrieg
Republikanische Kriegsfotografie
Franquistische Kriegsfotografie
Fotografie im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945)
Der moderne Propagandakrieg
Nationalsozialistische Kriegsfotografie
Alliierte Kriegsfotografie
Sowjetische Kriegsfotografie
Fotografie im Vietnam Krieg (1964 – 1973)
Der massenkulturelle Krieg
Amerikanische Kriegsfotografie
Nordvietnamesische Kriegsfotografie
Fotografie im Golf Krieg (1991)
Der postmoderne Krieg
Amerikanische Kriegsfotografie
Irakische Kriegsfotografie
Fotografie im Irak Krieg (2003)
Der präventive Krieg
Amerikanische Kriegsfotografie
Irakische Kriegsfotografie
Resümee
Wie verändert die Bildlegende den Rezeptionskontext eines Bildes?
Warum wird das Leiden in der Kriegsfotografie dargestellt?
Literaturverzeichnis

Aus der Arbeit:

Im 19. Jahrhundert fand durch die ansteigende Industrialisierung, die Entwicklung der Fotografie und anderer technischer Innovationen auch eine Veränderung im Kriegswesen statt und leitete das Zeitalter der „modernen Kriege“ ein. Diese zeichnen sich vor allem durch ihren Einsatz von Massenheeren, industrialisierter und technisierter Kriegsführung mittels neuer mechanischer Waffen wie dem Maschinengewehr sowie moderner Kommunikationsmedien wie Telegrafie oder Fotografie aus.
Für die Rekrutierung von Massenheeren brauchte es ein Medium, dass das Volk in den Krieg mit einzubeziehen vermochte. Die Fotografie spielte in diesem Prozess schon von Anbeginn einen Hauptbestandteil in der medialen Kriegspropaganda. Im Gegensatz zur bisher üblichen Schlachtenmalerei nahm man von der Fotografie an, dass sie, im Gegensatz zur Malerei, den Krieg objektiv darzustellen vermochte, ein wirklichkeitsgetreues Bild des Krieges wiedergeben konnte und zugleich die zu rekrutierenden Rezipienten zu begeistern wusste. Aufgrund der technischen Grenzen der frühen Fotografie, vor allem durch die schweren und übergroßen ersten Fotoapparaten und der zweitaufwendigen Belichtungs- und Drucktechnik, eignete sie sich für eine militärisch-propagandistische Verwendung in den Kriegen des 19. Jahrhunderts jedoch nur bedingt: Der Fotograf war mit seinen Apparaturen schlichtweg zu langsam, um die Momentaufnahmen eines Gefechtes einzufangen. So ließen sich nur ruhende Handlungen festhalten, wie z.B. Waffen und Gerätschaften, die Lagerplätze der Soldaten, verlassene Gefechtsfelder, Dörfer und Straßen, Truppenversammlungen oder Portraits von Offizieren.
Dennoch wurden Krieg und Fotografie bereits in der Frühphase der Kriegsfotografie zu „kongruenten Betätigungen“ , die das Verhältnis des Menschen zu Krieg wie fotografischem Bild dauerhaft veränderten. Der Krieg wurde den Erzählungen und Malereien entrissen und „als Bild in die Lebenszusammenhänge der Menschen eingefügt“.
Als erster Krieg dieser Art ist der Krim-Krieg (1853-1856) zu nennen. Geführt von einer englisch-französisch-türkischen Koalition, die gegen die russischen Expansionsbestrebungen auf der Krim vorging, stellt er den Anfangspunkt der modernen, industrialisierten Kriegsführung da, der sich auch den Mitteln der Fotografie bemächtigte. Der Krim-Krieg war der erste Krieg des Industriezeitalters und durch seine Miteinbeziehung von Fotografen und Journalisten auch der erste Pressekrieg.
Während auf russischer Seite keine Ambitionen gezeigt wurden, den Krieg zu dokumentieren und medial zu verarbeiten, berichteten auf Seite der westlichen Koalition insgesamt 15 Photographen über den Feldzug für ihre Heimatländer, unter Anderem die Briten James Robertson und Roger Fenton sowie die Franzosen Jean-Baptiste-Hendri Durand-Brager sowie George Shaw Lefèvre.
Vor allem die Bilder Roger Fentons, die in ihrer Ästhetik den zeitgenössischen Geschmack der Briten und Franzosen widerspiegelte, formten in ihren Abbildungs- und Deutungsmuster den Stil der Kriegsfotografie bis in das 20. Jahrhundert und gingen als exemplarische Vertreter in die Geschichte der Kriegsfotografie ein.

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02.05.2009
2005 – 2008: Bakkalaureatsstudium Publizistik-u.Kommunikationswissenschaft Universität Wien (Bakkalaureatszeugnis beigelegt) 2008 – 2010 (voraussichtliches Ende): Magisterstudium Publizistik-u. Kommunikationswissenschaft Universität Wien
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