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Charles Baudelaire, Le Gouffre - Der Abgrund als Zuflucht


Nr. 173
Charles Baudelaire, Le Gouffre - Der Abgrund als Zuflucht
Dieser Essay entwickelt die Signifikanz des Abgrund-Motivs in den "Fleurs du mal" von Charles Baudelaire.
2,100 Wörter (ca. 5.3 Seiten) | 2 Quellen | 2007


Inhaltsangabe:

Die drei Gedichte "Elévation", "De profundis clamavi" und "Le Voyage" werden einer eingehenden Analyse in Hinblick auf die Rolle des Abgrundes in Baudelaires Hauptwerk abgetastet.

Aus der Arbeit:

Einleitend rückt das Gedicht Elévation in den Blick der Untersuchung. Es rangiert in Baudelaires Haupt- und Meisterwerk an dritter Stelle und bietet somit einen programmatischen Vorgeschmack auf das im Folgenden zu Erwartende. Hugo Friedrich zufolge lässt sich sein Aussagenkern mit dem Oxymoron der „leere[n] Idealität“ wiedergeben. Die erste Strophe beschreibt ausschließlich die neun Stufen, die beim Aufstieg durchlaufen werden. Neben der von Friedrich angeführten mystischen Unterfütterung dieser Zahl ist an dieser Stelle erneut eine mögliche Beeinflussung durch Dantes Divina Commedia zu erkennen, die von neun Höllenkreisen berichtet. Auffallend ist darüberhinaus die subtile Zweiteilung dieser Strophe durch die Verwendung zweier verschiedener Lokaladverbien. Die ersten sechs Stufen des Aufstiegs – allesamt auf der Welt vorzufinden und ihr angehörend – werden durch «profane» und «au-dessus» charakterisiert. Die verbleibenden drei Stufen jedoch erwerben dank «par-delà» eine gewisse mystische Überhöhung, zumal sie sich vom zuvor genannten Irdischen, weniger Einschüchternden, weil sehr Vertrauten, abheben. Die mit dieser prädikatlosen Enumeratio geschaffene Spannung wird durch die dem Geist des lyrischen Ichs attribuierte Agilität (V.5) aufgelöst. Diese gleich doppelte Betonung der geistigen Beweglichkeit («meus», «agilité») nähert diese spirituelle Verdichtung menschlichen Seins unwillkürlich animalischer Dynamik an. Man fühlt sich an diverse Katzen gewidmeten Gedichte erinnert, da diese mit eben dieser typischen Eigenschaft aufwarten können. In diesem impliziten Anklang wird eine Herabwürdigung des menschlichen Geistes spürbar, die jedoch keinerlei nachträgliche Intensivierung erfährt. Denn mit «bon nageur» (V.6) ergibt sich – verglichen mit der Hiflosigkeit, die in L’Irrémédiable Satans verzweifelten Schwimmversuchen attestiert wird – eine bedeutungsaufhellende Spiegelung. Der nächste Vers enthält in «profonde» eine indirekte Vorausdeutung auf die Relevanz des «Gouffre». Mit «une indicible et mâle volupté» (V.8) schließt sich eine interessante Mehrdeutigkeit an.

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