Pechstein und das Paradies – Max Pechsteins Reise nach der Südsee
In dieser Arbeit geht es um die Zeit Pechsteins in der Südsee, seine Beweggründe der Reise, die Ergebnisse, Folgen und Gefühle.
5,700 Wörter (
ca. 14.3 Seiten) |
4 Quellen |
2008
Published on: 20.03.2009
Inhaltsangabe:
Im Jahr 1914 bricht der deutsche Künstler Max Hermann Pechstein mit seiner Frau Lotte auf, um Europa zu verlassen. Ihr Ziel ist der Südpazifik, genauer gesagt die sich zu dieser Zeit unter deutscher Kolonialherrschaft befindenden Palau-Inseln - eine Inselgruppe im Westen des heutigen Mikronesien. Zu Beginn dieser Arbeit sollen die Hintergründe für diese Reise beleuchtet werden. Warum wählt Pechstein die Südsee, und inwiefern unterscheidet sich diese Reise von seinen vorherigen europäischen Urlaubsaufenthalten? Sieht Pechstein diese
Reise überhaupt als Urlaub an? Mit welcher Motivation tritt er diese Reise an und was erhofft sich Pechstein auf der Insel Palau zu finden?
Diese Fragen sollen im ersten Teil bearbeitet werden, um Pechsteins „
Erinnerungen“, welche er 1946 niederschrieb, gleichzeitig aber auch die
zeitgenössischen Kunst- und Lebensweisen zu entdecken. Im zweiten Abschnitt dieser Arbeit soll Pechsteins fünfmonatiger Aufenthalt auf der Insel Madalai, mit all seinen Erlebnissen und Eindrücken Gegenstand sein, da diese ebenfalls teilweise in sein künstlerisches Werk eingeflossen sind. Hierbei ist der Großteil der Information Pechsteins „ Erinnerungen“ entnommen, wobei an dieser Stelle auch manchmal die erhalten gebliebenen Skizzen, Zeichnungen und Bilder als Hintergrundinformation dienen, welche Pechstein sowohl auf Madalai selbst als auch danach in den Jahren 1917-1919 anfertigte. Im letzten Teil gelangen wir zu der Frage, welche Auswirkungen der Aufenthalt zum einen auf das künstlerische Schaffen, zum anderen aber auf die Person Pechstein selbst hatte. Hierzu ist es jedoch notwendig, sowohl kurz auf die Umstände, welchen sich Pechstein und seine Frau auf der Reise zurück nach Europa gegenübersehen als auch auf die darauf folgenden Erlebnisse des ersten Weltkrieges einzugehen.
Outline:
Einleitung
Hintergründe für Pechsteins Aufenthalt auf Palau
Untersuchung biographischer und autobiographischer Einflüsse und Vorgabe
Untersuchung zeitgenössischer Kunst – Lebensformen
Die „Zurück-zur-Natur-Bewegung
Der Mythos vom Südseeparadies
Pechsteins Südsee-Aufenthalt
Die Insel Madalai als geographische „Verortung“
von Pechsteins Paradiesvorstellung
Pechsteins Kunst als Spiegel seines erlebten Paradies
Nachwirkung des Aufenthaltes auf Pechsteins Leben und seine
Künstlerische Arbeit
Die Vertreibung Pechsteins aus dem Paradies und seine Rückkehr nach
Deutschland
Das ferne Paradies in Pechsteins Kunst und Leben nach 1917
Literaturverzeichnis
Anhang
Kurzbiographie Pechsteins
„Ausziehender Vogelfänger“
„Palau Landschaft I“
„Palau Landschaft III“
Aus der Arbeit:
Die erste Begegnung Pechsteins mit der Insel Palau hatte er als Student der Kunstakademie Dresden, im Dresdner Museum für Völkerkunde, welche diese Begegnung schreibt er in seinen „Erinnerungen“ nieder: „Es berauschte mich, (…) wie mich im Museum für Völkerkunde Schnitzereien an Dachbalken und Querbalken von den Palau-Inseln in Stillen Ozean mit Sehnen erfüllt hatten, als ahnte ich schon diese ferne tropische Welt.“ Dieser Museumsbesuch findet vermutlich kurz nach der Jahrhundertwende, ungefähr im Jahr 1902 statt. Diese Erinnerung deutet auf Pechsteins Sehnsucht nach einer fernen Welt, einem Fluchtort hin, er sucht nach einem Ort in dieser fernen Welt – einer geografischen Verortung des Paradieses. Diese Suche macht das Fernweh zum zentralen Moment in Pechsteins Leben. Der Paradiesbegriff kommt für Pechstein im Wesentlichen in der Vorstellung von einer vom Menschen unbelassenen, nicht zerstörten Natur zum Ausdruck. Dort herrsche „eine unentweihte Einheit von Natur und Mensch“2, in der es für den
Einzelnen noch möglich sei, ein Leben im Einklang mit der Natur zu führen. Bei der Frage nach dem Ursprung dieses Paradiesbegriffes sollen sowohl endogene als auch exogene Faktoren berücksichtig werden. Jedoch ist die vorliegende Quelle - Pechsteins autobiographische Schrift „Erinnerungen“, welche uns zur Herleitung der endogenen Komponenten dient, - hierbei stets kritisch zu betrachten 3.
Die Rekonstruktion der Entstehung und Manifestation der Paradiesvorstellung in Pechsteins Leben folgt hierbei biografischen und autobiographischen Spuren. In einem zweiten Schritt sollen die damaligen Kunst- und Lebensformen als zeitgeschichtlicher Hintergrund für Pechsteins Paradiesdefinition dienen.