Das Kontinuum bei Aristoteles
In vorliegender Arbeit hat sich der Autor mit der Physikvorlesung des Aristoteles beschäftigt, einer Schrift, die den Ruf hat, sogar noch komplizierter als die berüchtigte Metaphysik zu sein.
5,130 Wörter (
ca. 12.8 Seiten) |
11 Quellen |
2009
Published on: 27.05.2009
Inhaltsangabe:
Aristoteles hat sich mit dem Begriff des Kontinuums in der Natur beschäftigt, entfaltet seine Ansichten dazu im Buch VI. der Physikvorlesung. Die vorliegende Hausarbeit beinhaltet vor allem ein Close-Reading des ersten, zweiten und neunten Kapitels des Buches VI., anhand der anerkannten Übersetzung von Hans Wagner.
Aristoteles setzt sich besonders mit den Ansichten der Atomisten und der Eleaten auseinander. Beide Naturlehren verwirft Aristoteles, da sie seiner Ansicht nach nicht dazu taugen, das Kontinuum in der Natur zu erklären. Aristoteles selber vertritt eine Sichtweise, die die Infinitesimalstruktur von Strecke, Bewegung und Zeit betont. Seiner Ansicht nach ist es nicht hilfreich, wenn man eine der drei Größen als durch unteilbare Teile konstituiert betrachtet. Warum er dieser Ansicht ist, wird sich im Verlauf dieser Arbeit zeigen.
Outline:
Hinführung – Systematische Naturerforschung
Naturpunkte – Die Atomisten
Sein ohne Bewegung – Zenon und die Eleaten
Ausklang
Anhang
Aus der Arbeit:
Die entstehende Philosophie wird ganz fundamental mit Wissenschaft assoziiert, mit reflexiver Distanz zu den Daten, die im mythischen Glauben eine direkte und praktische Rolle spielen. Doch worin besteht das Neue, dass diese wissenschaftliche Betrachtung als eine Abkehr vom Mythos erscheinen läßt? Ganz grundlegend ist es wohl das beschreiten des von Johann Mader so bezeichneten „Sonderweges der Rationalität“ . Theoriebildung und Rationalität sind die zwei größten Leitfäden der Philosophie, die in dieser Zeit als wissenschaftliche Naturbetrachtung beginnt.
So wählen diejenigen, die man später Philosophen genannt hat, einen neuen Ausgangspunkt für ihre Betrachtungen. Statt ein mannigfaltiges Chaos mit personifizierten Mächten anzunehmen, reduziert man alles auf einfache, natürliche Ursprünge. Nicht umsonst setzt man den Beginn der Philosophie mit der Äußerung „Alles ist Wasser“ in Eins. Man spricht als in einer neuen Art über die Welt, nicht mehr mittels personifizierten Urmächten, sondern mit natürlichen Elementen und die Philosophie beginnt als Beobachtung und Beschreibung dieser natürlichen Elemente. Emil Angehrn definiert in seinem sehr ausführlichen Werk Der Weg zur Metaphysik die Philosophie in Abgrenzung zum Mythos demnach folgendermaßen: „Philosophie ist eine besondere Art der wissenschaftlichen, das heißt theoretischen und rationalen Betrachtung des Wirklichen, die sich durch eine bestimmte Radikalisierung dieser Kriterien auszeichnet.“
Ich möchte zu den beiden Besonderheiten der Philosophie – Theoriebildung und Rationalität – noch einige Worte verlieren. Theoriebildung ist eine Distanzierung von der Verankerung in der lebensweltlichen Praxis, über die der Mythos verfügt, die zu mehr Klarheit der Begriffe führen soll. Der Mensch der Theorie ist seinem Selbstverständnis nach den direkten und alltäglichen Zwängen des Lebens enthoben, er kann daher die Wahrheit klarer entdecken. Er hat die Muße, sein Leben der reinen Betrachtung zu widmen, der Erkenntnis des Höchsten, die immer etwas Göttliches an sich hat.