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Der österr. „Erinnerungsdiskurs“ - "Die Presse" im März 1988-1998-2008

Nr. 59
Die vorliegende Arbeit widmet sich der Untersuchung des so genannten „Erinnerungsdiskurs“ in Österreich, der aufgrund oben skizzierter Ereignisse seit 1988 bis heute immer wieder aufbricht und für neue Kontroversen sorgt.
6,920 Wörter (ca. 17.3 Seiten) | 60 Quellen | 2008
Published on: 11.05.2009

Inhaltsangabe:

Als Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit fungiert die Tageszeitung „Die Presse“, die in Österreich als Qualitätsblatt gilt.
Als Untersuchungsgegenstand wurde jeweils der Monat März für die Jahre 1988-1998-2008 festgelegt. Anfangs bestand noch die Überlegung, als Vergleichsmedium das Magazin „Profil“ hinzuzuziehen, nach dem ersten Kontakt mit dem Materialcorpus wurde jedoch klar, dass aufgrund der Fülle an Beiträgen dies für eine Einzelperson im Rahmen des Forschungspraktikums nicht schaffbar ist.

Folgende leitende Fragestellungen stehen im Zentrum des Forschungsinteresses:
- Ist anhand der Analyse des Untersuchungsmaterials eine ideologische Positionierung der Tageszeitung „Die Presse“ in Hinblick auf den Opfer-Täter-Diskurs erkennbar?
- Welche Akteure spielen hierfür eine Rolle (aktiv: Redakteure, Gastkommentatoren –passiv: über wen wird berichtet)?
- Mit welcher Intensität wird über das Gedenkjahr berichtet (Quantitativer Aspekt)?
- Gibt es Verschränkungen mit anderen Diskursen?
- In welcher Form erfolgt die Berichterstattung (journalistische Darstellungsformen)?

Zur Beantwortung der Forschungsfragen wird die Kritische Diskursanalyse von Siegfried Jäger herangezogen, die sich vor allem im Umgang mit historischen Fragestellungen bewährt hat, da sie eine sehr offene und nicht auf bestimme Einzelheiten festgefahrene Methodik bietet.

Aus der Arbeit:

"Anlässlich des 50. Jahrestages der Zweiten Republik wurde am 1. Juni 1995 ein Fonds zur Entschädigung von NS-Opfern beschlossen, der erstmals alle Opfer des NS-Regimes anerkannte, also auch die bisher diskriminierten Zwangssterilisierten, Euthanasieopfer,
Homosexuellen und als asozial Diffamierten. Als „Geste der Versöhnung“ gedacht sorgte der Beschluss jedoch für Unstimmigkeiten innerhalb der Parteien. Die Grünen sowie das Liberale Forum hätten eine Pauschalentschädigung bevorzugt, scharfe Kritik äußerte der Grünen- Abgeordnete Johannes Voggenhuber, indem er das Fonds-Gesetz als „Versuch eines billigen
Freikaufs“9 klassifizierte. 1998 wurde das Restitutionsgesetz verabschiedet, das als gesetzliche Grundlage für die
Rückgabe von Kunstgegenständen, die im Zuge oder als Folge der NS-Zeit in österreichische Bundesmuseen gelangt sind, dienen sollte.
In diesem Zusammenhang sorgte der Fall der Gemälde von Gustav Klimt für Aufsehen: Das Adele Bloch-Bauer gewidmete berühmte Gemälde wurde ihrem Gatten Ferdinand Bloch-Bauer, der aus Österreich hatte flüchten müssen, entzogen, und später von Adeles Nichte Maria Altmann und ihren Miterben zurückverlangt. Erst nach sehr langem Rechtsstreit, der vor einem US-amerikanischen Schiedsgericht zugunsten Maria Altmann entschieden wurde,
kamen Elisabeth Gehrer und die Österreichische Galerie Belvedere nicht mehr umhin, das Bild an Adeles Erben auszufolgen."

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