Kinderbesteck damals und heute
Kinderbesteck damals und heute
Die Autoren beschäftigen sich mit dem Besteck für Kinder mit beginnender externer Nahrungsaufnahme durch die Mutter bis zum etwa Zehnjährigen, in verstärktem Maß mit den Kleinkindern bis zum vierten Lebensjahr.
6,500 Wörter (ca. 16.3 Seiten) |
8 Quellen |
2008
Inhaltsangabe:
„Messer, Gabel, Schere, Licht, sind für kleine Kinder nicht." Mit dieser historischen Weisheit von Wilhelm Busch wollte der Literat in erster Linie auf die Verletzungsgefahr hinweisen. Heutzutage weiß man jedoch aus pädagogischer Sicht, dass Kinder spielerisch die Gefahr einschätzen lernen sollen. Man muss ihnen tatsächlich die Chance dazu geben. Jedoch bis zum frühen 18.Jahrhundert sind z.B. spezielle Bestecke für Kinder nicht anzutreffen, auch nicht in der Literatur.
Erst ab dem Zeitalter des Strukturwandels der europäischen Gesellschaften gegen Ende des 18.Jahrhunderts gelang es, Kinder in das Spannungsfeld zwischen familiären wirtschaftlichen und (national) staatlichen Interessen zu rücken.
Im Zuge der Übungen dieser universitären Veranstaltung widmete sich die Gruppe der Autoren dieser Arbeit verstärkt der Literatursuche und zwar zunächst für das von uns selbst gewählten Thema „Ernährung“. Sie suchten in der ersten Phase im Internet jede/r für sich, recherchierten gemeinsam im Internet. Doch die Ausbeute war jedes Mal gering bis kaum vorhanden. Sie mussten zur Kenntnis nehmen, dass es das Thema Kinderernährung, so wie wir sie in unserer modernen Gesellschaft kennen, vor dem 18.Jahrhundert nicht gab, bzw. dass sogar der Kindheit insgesamt vor dieser Zeit in der Literatur kaum Beachtung geschenkt wurde. Kinder wurden als „kleine Erwachsene“ gesehen und nahmen - sobald sie alt und geschickt genug waren - bei Tisch Speisen und Getränke wie die Erwachsenen ein.
Das Thema Kindernährung wurde also von der Gruppe sehr rasch fallen gelassen, einfach weil es spezielle Kindernahrung vor 200 Jahren nicht gab.
Produkte der Firmen HIPP, Milupa, Alete, etc gibt es erst seit gut 70 Jahren. Besonders auffällig ist heutzutage, dass das Kindermenü dem „Fastfood“ der Erwachsenen im Design angeglichen und kindgerecht vorbereitet ist: es muss lediglich aufgewärmt werden. Eine herkömmliche Zubereitung der Kindernahrung entfällt.
Die Gruppe von Autoren hat sich daraufhin entschlossen, stattdessen das Thema „Hilfs- und Transportmittel“ der Kinderernährung zu wählen, zunächst vom Behältnis der Nahrung (Teller, Topf, Schüssel usw.) bis zum Mund – schließlich aber speziell das Kinderbesteck zu bearbeiten und einerseits
a) die Plastikform (modern) und andererseits
b) das Silberbesteck (historisch),
in Phase zwei einer Artefaktanalyse zu unterziehen.
Ein Artefakt ist ein künstlich hergestelltes Objekt. Ein Objekt, welches zum Betrachter spricht. Es wird daher die latente Struktur dieser beiden Objekte gegenübergestellt, und analysiert. Dabei interessiert, welches gesellschaftliche Handeln sich zeigt bzw. ergibt.
In Gruppenarbeiten war die Möglichkeit gegeben, die erste Artefaktanalyse aufzubereiten. Besonders interessant war dabei, wie unser Blick nun auf das geschärft wurde, was der gewählte Gegenstand erzählt.
Jedem begegnen täglich solche Objekte, z.B. am Flohmarkt, und auch bei uns zu Hause. Durch dieses Seminar wurde die Sichtweise auf Objekte eines jeden einzelnen Studenten verändert. Man sah plötzlich was dahinter steckt, was uns der Gegenstand erzählt bzw. wie er zu einem spricht. Natürlich immer verbunden mit eingehender Literaturrecherche. Es wurde auch die Erfahrung gemacht, dass der Gegenstand alleine uns „nicht alles erzählen kann“. Erst durch das Erfahren von den Zeitumständen bzw. der damaligen Gesellschaft kann eine schlüssige Artefaktanalyse durchgeführt werden.
Outline:
Einleitung
Hauptteil:
Historisches
Erste Artfaktanalyse: Kinderbesteck aus Silber
Interview mit den Eltern des 8 Monate alten Giuliano
Modernes Kinderbesteck
Die Entdeckung der Kindheit
Zweite Artefaktanalyse
Zusammenfassung
Literaturliste
Abbildungsverzeichnis/Internetadressen
Aus der Arbeit:
''Adam und Eva benötigten weder Löffel noch Messer oder Gabel. Für den ersten Sündenfall genügte es, mit der Hand die Frucht vom verbotenen Baum zu pflücken und hinein zu beißen. Wehe, wenn sich jemand heutzutage so benimmt wie unsere Stammeltern und das exklusive kalte Buffet mit bloßen Fingern plündert!
Dieser faux pas hat für den Übeltäter nämlich Ähnliches zur Folge: die Vertreibung aus dem Gourmet-Paradies.
Wie lange es gedauert hat, bis sich die Menschheit entschlossen hat, ihre Nahrung mit Werkzeug mundgerecht zu machen, wissen wir nicht. Aber die Beschreibung der im Laufe der Geschichte entstandenen (und entstehenden) Geräte und Materialien und deren Herstellung, die Sitten und Zeremonien, Gewohnheiten und Moden rund um die Nahrungsaufnahme, füllen Bibliotheken.
„Ältestes ausschließlich zur Nahrungsaufnahme bestimmtes Gerät ist der Löffel.“ schreibt Susanne Prinz. Er wurde aus Holz oder Metall (Eisen, Edelmetalle) hergestellt und war für das Vorlegen von Speisen einerseits und „für Mundgerechtes, Weiches, mühe- und gedankenlos zu Schluckendes“ gedacht.
Fleisch wurde mit dem Messer (Karl der Große verwendete angeblich sein Schwert dazu) in kleine Stücke zerteilt und mit den Fingern gegessen. Schon lange bevor es zum Essbesteck gehörte, war das Messer zum Tranchieren und Vorlegen großer Fleischstücke in Verwendung.''