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Staatliches Selbstverständnis des Japanischen Kaiserreichs

Nr. 29
In der vorliegenden Arbeit wird aufgezeigt, wie die politischen Akteure der Meiji-Zeit durch den Einfluss westlicher Verfassungsideologien und traditionell japanischer Herrschaftsvorstellungen eine konstitutionelle Monarchie formten.
3,380 Wörter (ca. 8.5 Seiten) | 0 Quellen | 2006
Published on: 09.03.2009

Inhaltsangabe:

Die Zeit der Herrschaft des Kaiser Meiji bedeutete für das japanische Kaiserreich die Bewältigung eines enormen Umbruchs. Die feudalen Herrschaftsstrukturen mussten denen einer konstitutionellen Monarchie westlicher Prägung weichen. Die Gesellschaft wandelte sich von einer ständischen zu einer bürgerlichen. Allerdings stand hinter diesem Prozess nicht von Beginn an ein politischer Akteur mit konsequenter Ideologie; die Initiatoren der Meiji-Restauration waren sich nur in einem Ziel einig: der Entmachtung des Tokugawa-Shôgunats. Ihre Vorstellungen für eine Zeit danach waren vage, aber keinesfalls modern. Nicht ohne Grund wurde die Restauration der kaiserlichen Herrschaft oberstes Ziel, denn sie hatte bereits einmal Bestand. Sie war der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich die zerstrittenen Führer der Meiji-Restauration einigen konnten. Eine politische Vision für ein modernes japanisches Staatswesen bildete sich erst als die ersten japanischen Staatsmänner Europa und die USA bereisten und die Notwendigkeit einer konstitutionellen Neuausrichtung Japans erkannten, um auf der politischen Weltbühne bestehen zu können. Diese Neuordnung des japanischen Herrschaftssystems wurde zum Drahtseilakt zwischen Tradition und Moderne.

Outline:

Einleitung
Die Meiji-Zeit (1868 bis 1912)
Restauration kaiserlicher Herrschaft
Bürgerrechtsbewegung und der Weg zur konstitutionellen Monarchie
Innenpolitischer Neo-Traditionalismus und Imperialismus als Determinante japanischer Außenpolitik
Der Staatsshintô
Das ie-System und der Familienstaat
Kolonialismus
Fazit
Literaturverzeichnis

Aus der Arbeit:

''Japans Moderne begann mit einem Staatsstreich: Am 3. Januar 1868 besetzten Truppen aus den westjapanischen Fürstentümern Satsuma, Tosa und Chôshû die kaiserliche Residenz und damalige Hauptstadt Kyôto und erzwangen von den herrschenden Tokugawa die Rückgabe der Regierungsgewalt an das Kaiserhaus, das seine Macht vor fast 700 Jahren an die einflussreichen Kriegerfamilien (bushi) und die von ihnen gestellten Militärherrschern (shôgun) verloren hatte. Seit der für sie siegreichen Schlacht von Sekigahara im Jahre 1600 hatte das Haus Tokugawa die Vorherrschaft über Japan inne. Tokugawa Ieyasu hatte die aufbegehrenden Fürsten (tozama-daimyô) unterworfen und das Land unter seiner Herrschaft geeinigt. Die tozama-daimyô, zu denen in erster Linie die Fürstentümer Satsuma, Tosa, Chôshû und Hizen gehörten, wurden vom Machtapparat der Tokugawa weitestgehend ausgeschlossen. Nach der Reichseinigung erhielten die tozama-daimyô großflächige Lehen weitab vom Herrschaftszentrum des Shôgunats, um ihren politischen und militärischen Einfluss auf das noch junge Tokugawa-Regime zu beschränken.''

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