Zunächst werden drei grundlegende Theorien der Beurteilung von Gefahren vorgestellt und anschließend herausgearbeitet, diese anhand von empirischem Datenmaterial auf Umweltgefahren anzuwenden und Schwachstellen aufzuzeigen.
Hausarbeit Nr. 207 |
2,875 Wörter (
ca. 7.2 Seiten ) |
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2010
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Inhaltsangabe
Den Wert einer risikobedingten Entscheidung kann man, so die Autoren, an der Größe bzw. an der Entwicklung der Population messen, welche sie trifft. Ein schärferes, ebenfalls genanntes Kriterium ist das der „selektiven Dominanz“ (Sinn und Weichenrieder, 1993:76). Hier geht man davon aus, dass Populationen mit anderen Präferenzen komplett oder fast komplett verschwinden würden.
0. Einleitung
1. Risikobewertung von Laien und Experten
1.1. Theorie von Ray Kemp
1.2. Einschätzung und Übertragung
2. Die biologische Erklärung der Risikopräferenz
2.1. Theorie von Hans-Werner Sinn und Alfons J. Weichenrieder
2.2. Einschätzung und Übertragung
3. Vergleichende Untersuchung von Aaron Wildavsky
4. Fazit
Textauszug
Ein Problem, welches im Text angesprochen wird, besteht darin, dass die Laien dem Expertenurteil oft keinen Glauben mehr schenken und somit gezwungen sind, sich ohne Fachwissen eine eigene Meinung zu bilden. Arie Rip erklärt diese Aufgabe jedoch als lösbar, sofern einige Klischees über die Aussagen der Spezialisten beendet werden. Man dürfe nicht mehr glauben oder glauben müssen, dass die Wissenschaft „nur objektive Wahrheiten“ (Kemp 1993:116) vorgibt, welche durch Einigkeit der Experten bestätigt wird. Auch solle man bedenken, dass die Wissenschaft allein Probleme oft nicht lösen kann, da immer soziale bzw. politische Entscheidungen daran geknüpft sind.
Die kritische Perspektive dieser Theorie geht vor allem auf Jürgen Habermas zurück, welcher darüber berichtet, wie die Differenzen zwischen den beiden Meinungen auf gerechtestem Wege aufgehoben werden können. Er unterscheidet hier die theoretische Ebene der Wissenschaft inklusive der Expertenmeinung und die praktische Ebene der politischen Entscheidungen. In diese spielt der gesellschaftliche Faktor des „sozial zulässigen Risikos“ (Kemp 1993: 122) herein. Die Lösung besteht laut Habermas nicht darin, dass eine Fraktion die andere von ihrer Meinung überzeugen muss, sondern viel mehr im Aufbau einer funktionierenden Kommunikation.
Tags:Umweltsoziologie, Risikowahrnehmung, Risikobewertung, Klimawandel
In dieser Arbeit wird auf die besondere Struktur und Sozialökonomie der Städte eingegangen (Chicago School). Neben der Sicherheitspolitik befasse ich mich mit Erfolgen der Überwachung und den Reaktionen der Bevölkerung.
Hausarbeit Nr. 208 |
2,620 Wörter (
ca. 6.6 Seiten ) |
9 Quellen |
2010
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Inhaltsangabe
Im internationalen Vergleich nimmt Großbritannien die Pionierrolle der öffentlichen Überwachung ein und dient wegen seiner mittlerweile fast flächendeckenden Beobachtung der Stadtzentren auch heute noch vielen anderen Staaten als Vorbild.
In Deutschland greift man seit 1996 auf diese Technologie zurück, die Ausbreitung erfolgt jedoch aufgrund unterschiedlicher Politiken und der Finanzierung langsamer als in Großbritannien.
Trotzdem belegen Beispielzahlen die enorme Dichte der Überwachungssysteme.
0. Einleitung
1. Zentren der Kriminatlität – das Chicagoer Zonenmodell
2. Entwicklung des Überwachungssystems
3. Geplante Wirkung und tatsächliche Erfolge
4. Reaktionen der Bevölkerung
5. Fazit
Textauszug
Das Projekt „urban eye“, welches sich seit 2001 mit der Überwachung der sechs europäischen Hauptstädte Wien, Kopenhagen, Berlin, Budapest, Oslo und Madrid beschäftigt hat seinen Sitz in Berlin, wobei sowohl die Mitarbeiter als auch der Internetauftritt international sind. Betrachtet man die aktuelle Zusammensetzung des Bundestages in Zusammenhang mit der Meinung der Parteien zur Videoüberwachung lässt sich schlussfolgern, dass ein weiterer Ausbau sehr wahrscheinlich ist, da die CDU (in der Statistik jedoch gemeinsam mit der CSU genannt) sich am stärksten für das System ausspricht, wohingegen die strikten Gegner SPD, Grüne und Die Linke lediglich in der Opposition sitzen.
Tags:urban eye, Überwachungssysteme, Kriminalitätsbekämpfung, Raumsoziologie
Evaluation als Mittel um Verhalten oder Prozesse zu bewerten, ist heute aus pädagogischen Handlungszusammenhängen nicht mehr wegzudenken. Doch nicht jede Reflexion, Auswertung oder Überprüfung ist bereits als Evaluation zu bezeichnen.
Hausarbeit Nr. 193 |
3,813 Wörter (
ca. 9.5 Seiten ) |
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2010
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Inhaltsangabe
Im wissenschaftlichen Sinn ist dann von Evaluation zu sprechen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt werden. Dazu gehören das methodische Erfassen von Daten, das Auswerten der erhobenen Daten sowie eine Analyse der Ergebnisse. In dieser Arbeit werden anhand der relevanten Literatur die unterschiedlichen Definitionen von Evaluation beschrieben, um dann im zweiten Kapitel die geschichtliche Entwicklung des Evaluationsbegriffes darzustellen und aufzeigen, dass sich Evaluation im weitesten Sinne bis in die Urgesellschaften der Menschheit zurückverfolgen lässt und auch der moderne Begriff nicht so neu ist, wie vielleicht vielfach angenommen wird.
Im dritten Kapitel werden die Ziele von Evaluation beschrieben, vorzugsweise in (schul-)pädagogischen Zusammenhängen, um dann im vierten und fünften Abschnitt unterschiedliche Evaluationsmodelle, sowie Methoden und Verfahren von Evaluation vorzustellen. Im sechsten Kapitel geht die vorliegende Arbeit auf die verschiedenen Einsatzbereiche von Evaluation ein und schließt mit einem Fazit ab.
Textauszug
Welches Modell der Evaluation gewählt wird, hängt entscheidend von der Absicht ab, was genau untersucht werden soll. Je nach Intention, z. B. ob die Qualität verbessert werden soll oder eine Weiterentwicklung gemessen werden soll, ist das Modell der Evaluation zu wählen.
Unterscheiden lässt sich bei einer Evaluation zwischen einer summativen, einer formativen oder einer reflexiven Funktion. Das summative Modell ist geeignet, um die Ergebnisse eines (Bildungs-)Programms abschließend zu bewerten und führt damit zu einem besseren Verständnis sowie einer besseren Verwendung des Programms.
Anders dagegen das formative Evaluationsmodell, hier ist die Absicht, bereits während des Lernprozesses Erkenntnisse zu erzielen und diese den Beteiligten bereitzustellen und im weiteren Verlauf anzuwenden, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen.
Reischman nennt noch ein drittes, sozusagen ein indirektes, nämlich das reflexive Modell. Weil Evaluation in didaktischer Hinsicht, irrelevant ist dabei, ob das summative oder das formative Modell angewandt wird, immer auch eine Denk- und Reflexionshilfe ist, hilft sie didaktische Zusammenhänge zu erkennen oder aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Tags:Schulwesen, Schulentwicklung, Bildung
In dieser Arbeit befasst sich der Autor mit den in Tirol ansässigen türkischen Unternehmen. Insbesondere um die Integration der türkischen Ökonomie Tirols in die einheimische Wirtschaft.
Diplomarbeit Nr. 179 |
22,940 Wörter (
ca. 57.4 Seiten ) |
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2007
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Inhaltsangabe
Mit der Diplomarbeit soll die wirtschaftliche Integration der türkischen Bevölkerung in Tirol untersucht werden. Die türkische Bevölkerung beinhaltet dabei sowohl türkische Staatsbürger, die in Tirol leben, als auch Österreicher, die in der Türkei geboren wurden und später die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten haben.
Durch eine Befragung von etwa 150 Unternehmen, die von Türken oder Österreichern, die in der Türkei geboren wurden, geleitet werden, soll herausgefunden werden, wie stark diese Unternehmen und die türkische Bevölkerung in die österreichische Volkswirtschaft integriert sind. Extremfälle sind einerseits, dass die türkische Gemeinde eine separate Volkswirtschaft (ethnische Ökonomie) in Österreich darstellt, und andererseits, dass sie sehr stark mit österreichischen Unternehmen und Arbeitnehmern verflochten ist und man nicht von einer eigenen Volkswirtschaft sprechen kann.
Durch Verknüpfung der Daten aus der Befragung mit den Daten aus der Volkszählung 2001 könnte auch untersucht werden, ob die Integration auch von anderen Faktoren abhängt.
Outline:
Einleitung
Migration
Unternehmertum bei türkischen Immigranten in Tirol
Verflechtung türkischer Unternehmer mit der österreichischen Wirtschaft
Schlussfolgerungen und Resümee
Literatur
Textauszug
Der Umgang mit Migration ist sowohl in Industrieländern als auch in armen Nationen eine große Herausforderung für die Wirtschaft und die Gesellschaft. In Einwanderungsländern wird oft argumentiert, dass die Einwanderer auf den Arbeitsmarkt drängen und dadurch entweder die Arbeitslosigkeit erhöhen oder die Löhne senken lassen. Zudem werden oft Vorbehalte gegenüber den Einwanderern wegen ihrer angeblich mangelnden Integrationswilligkeit und wegen der Belastung des Sozialsystems, die durch sie entsteht, geäußert. Demgegenüber herrscht auch in Einwanderungsländern die Meinung, dass Immigranten eine Bereicherung für die Gesellschaft und unverzichtbare zusätzliche Arbeitskräfte sind, in großen Teilen der Bevölkerung vor.
Während in Einwanderungsländern oft befürchtet wird, dass der Arbeitsmarkt mit billigen, unqualifizierten Arbeitskräften aus dem Ausland überschwemmt wird, herrscht in Auswanderungsländern eher die Sorge, dass hochqualifizierte Arbeitskräfte abwandern, weil sie in reichen Industrieländern bessere Jobchancen sehen, vor. Migration ist also ein sehr spannendes Thema, das sehr viele Menschen quer durch alle Einkommens- und Bildungsschichten beeinflusst bzw. beeinflussen kann.
Tags:Volkswirtschaft, Statistik, Migration, Integration
Die Entstehung der Punks ist zurückzuführen auf eine Jugendbewegung in Großbritannien Mitte der 70-er Jahre. Das Leben der Jugendlichen, insbesondere jener aus der Arbeiterschicht, war dort geprägt von hoher Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit.
Hausarbeit Nr. 190 |
2,445 Wörter (
ca. 6.1 Seiten ) |
14 Quellen |
2009
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Inhaltsangabe
In der DDR der 70-er und 80-er Jahre gab es eine rege Kultur der Musik- und Künstlerszene, doch diese war genormt, kontrolliert und zensiert. Außerhalb dieser Norm blühte, vom Staat unerwünscht, eine Bewegung, die nach Anarchie und Freiheit schrie und sich mit anderen Friedensbewegungen verbrüderte, die Szene des Punk. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Szene, ihrer Entstehung und ihrer Rolle in der kulturellen Entwicklung der damaligen DDR.
Textauszug
Wie in Westdeutschland verfolgten auch die ostdeutschen Punks die Ideologie von Freiheit und Anarchie. Jedoch unterscheiden sich beide Bewegungen durch die gegebenen Verhältnisse. Während man sich in Westdeutschland auch gegen die Konsumgesellschaft richtete, so widersetzten sich die ostdeutschen Punks vor allem der Einengung des Individuums durch die Kontrolle des Staates. Der Weg des Einzelnen wurde früh geprägt durch den Staat z.B. durch Kindergärten, Schule, Militär und Ausbildung bzw. Studium. Besonders bei den Jugendlichen schien der Weg in der DDR meist vorgezeichnet, denn sie unterlagen einem engen Netz aus Kontrolle und ideologischen Beeinflussungsversuchen. Ende der 70-er Jahre spitzte sich diese Beeinflussung durch den Staat mit der Pflicht zum Wehrkundeunterricht noch weiter zu. Wer den Dienst an der Waffe verweigerte, dem blieb der Zugang zu den „ (...) Hochschulen und Universitäten daraufhin verwehrt“. Dennoch oder gerade deswegen zeigten sich viele junge Leute dem Staat gegenüber nicht mehr loyal. Sie verspürten eine Ablehnung gegen den Staat, wie er zu dieser Zeit existierte.
Tags:Punkbewegung, Musikszene, Künstlerszene, Ostdeutschland, Kultur
Die 1975 erschienenen „Scritti corsari“ Pier Paolo Pasolinis stellen eine Sammlung von Zeitungsartikeln dar. Besonders die Konsumgesellschaft mit all ihren Auswirkungen auf Kirche, Sprache oder Jugend kritisiert Pasolini sehr heftig.
Hausarbeit Nr. 196 |
9,208 Wörter (
ca. 23 Seiten ) |
21 Quellen |
2006
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Inhaltsangabe
Im Rahmen dieser Arbeit soll zunächst versucht werden, anhand der Texte Pasolinis eine Charakterisierung der Konsumgesellschaft herauszuarbeiten, um anschließend auf bestimmte Phänomene – wie etwa den Einfluss der Konsumgesellschaft auf die Kirche – näher einzugehen. Auch die nach Pasolini vorhandene gesellschaftliche Nivellierung durch die bürgerliche Konsumgesellschaft kommt zur Sprache.
Inhalt
1 Einleitung
2 Die Herrschaft des Konsums und wie sie sich durchsetzte
2.1 Konsum als neue Religion?
3 Die gesellschaftliche Nivellierung durch den Konsum
3.1 Der Sprachverlust durch die Konsumgesellschaft
4 Schluss
5 Literaturverzeichnis
Textauszug
Als Symbol dieser neuen Gesellschaftsordnung sieht Pasolini das Auto und die Paarbeziehung an, die laut seinem Artikel „Il carcere e la fraternità dell’amore omosessuale“ das „bifronte mostro consumistico“ darstellten. Interessant ist hierbei, dass schon einige Jahrzehnte vor Pasolini ein anderer Autor ebenfalls gerade das Auto als Sinnbild für den bürgerlichen Kapitalismus sah. Die Rede ist von Nobelpreisträger Sinclair Lewis, der in seinem Roman „Babbitt“, einer Satire auf das amerikanische Bürgertum, davon spricht, dass für den Hauptprotagonisten George F. Babbitt dessen Auto – genau wie für alle anderen wohlhabenden Bürger – Poesie und Drama, Liebe und Heldentum bedeute. Warum dies so ist, erklärt Christian Pfister anhand der Situation Amerikas in den 1930er Jahren: „Trägerbranchen des Produktions- und Konsumstils waren die Erdölchemie und die Automobilindustrie, Schlüsselprodukt war das Auto. Das Auto wurde zum idealen Instrument der Freizeitgestaltung, zur Grundlage für neue Lebensstile und neue politische Bewegungen, mit ihm waren direkt und indirekt die meisten Arbeitsplätze verbunden.“
Es ist also die Synthese der beiden wichtigsten Wirtschaftssparten Amerikas, die sich im Auto manifestiert. Zur gesellschaftlichen Bedeutung des Automobils merkt Wolfgang Sachs an, dass es einerseits ein Statussymbol sei; er spricht von einer Dreiecksbeziehung zwischen Besitzer, Konsumgut und den anderen, aber andererseits verheiße es auch Freiheit, da für die Menschen der Konsumgesellschaft Glück gleichbedeutend mit der Akkumulation von Gütern sei und „das Glück wohnt draußen, jenseits der eigenen Person, in einer Welt von Dingen, die man sich erst aneignen muß, um in den Genuß des rechten Lebens zu kommen“. Hier klingt schon die konsumorientierte Ideologie an, die Pasolini in seinen Schriften so entschieden kritisiert. So verwundert es auch nicht, dass der Autor der „Scritti corsari“ in jungen Jahren das Fahrrad bevorzugte. Doch wie sieht die Gesellschaft des Konsums in Italien nun genau aus und wie konnte sie sich überhaupt etablieren?
Tags:Konsumkritik Nachkriegsära Wohlstand Gesellschaftsordnung, konsumorientierte Ideologie
Die Hausarbeit beschäftigt auf mikrosoziologischen Ebene mit den Umgangsformen und Interaktionsritualen menschlichen Verhaltens auf der mikrosoziologischen Ebene, illustriert an den Umgangsformen in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Hausarbeit Nr. 149 |
8,240 Wörter (
ca. 20.6 Seiten ) |
7 Quellen |
2007
$ 18.95
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Inhaltsangabe
Gerade in den Zeiten der Globalisierung und Individualisierung, in denen den Menschen immer mehr Möglichkeiten und somit auch Risiken zugesprochen werden, nimmt der Wunsch nach Unsicherheitsabsorption und Risikominimierung zu. Deshalb versucht man gerade auf der Mikroebene, also in face-to-face–Interaktionen, sich feste, nicht hinterfragungswürdige Verhaltensweisen anzueignen, die in keinem Fall negativ aufzustoßen drohen, um sich in dem sicheren Bereich des Angenehmen aufzuhalten. Diese Verhaltensweisen werden auch als Umgangsformen und als Manieren bezeichnet. Manieren sind nicht nur in adligen Kreisen unabkömmlich, sondern vor allem auch in unserer ökonomisierten Leistungsgesellschaft, in der man versucht, durch positives Auftreten gesellschaftlich aufzusteigen. So ist es nicht verwunderlich, dass der derzeit bekannteste Propagandist des guten Benehmens, der äthiopische Prinz Asta-Wossen Asserate, sein auf deutsch verfasstes Manierenbuch hunderttausendfach verkaufte und es zum Bestseller avancierte. Doch die Frage nach dem richtigen Benehmen und den korrekten Umgangsformen ist natürlich kein Problem, das erst im 21. Jahrhundert aufkam. In der Vergangenheit haben sich schon viele Soziologen auf wissenschaftliche Weise mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Einer dieser Vertreter stellt, neben Norbert Elias und Georg Simmel, mit Sicherheit auch Erving Goffman dar. Er verfolgte aber keinesfalls in seinen Ausführungen das Ziel einen Benimmkanon wie Asserate und Knigge aufzustellen, sondern versuchte mit seinen Werken vielmehr über das Verhalten eines Individuums beim Zusammentreffen mit anderen Individuen Aufschluss zu geben. Er betrachtet unter anderem die Verhaltensregeln der Individuen, die den Umgang mit anderen vereinfachen und regulieren. Nach Goffman unterliegen soziale Handlungen, die sich bei einer Begegnung vollziehen einem bestimmten Handlungsmuster, das bewusst oder unbewusst von jedem Beteiligtem verfolgt wird: Die Beurteilung der jeweiligen Situation, die Einschätzung des Gegenübers bzw. der anderen beteiligten Personen und der Selbstdarstellung, meist mit dem Ziel, sich im besten Licht zu präsentieren. Goffman fasst diese Handlungsweisen unter dem Begriff der Interaktionsrituale zusammen und widmete ihnen ein eigenes Buch.
Das Ziel der Arbeit soll darin bestehen, die Ausführungen Goffmans zum Thema Umgangsformen und Benehmen zu beleuchten. Das Augenmerk wird sich vor allem auf die interaktionsrituale Ehrerbietung und das Benehmen richten, und man möchte die theoretischen Ausführungen Goffmans anhand konkreter Beispiele der Umgangsformen in öffentlichen Verkehrsmitteln illustrieren und einige interessante Beobachtungen herausarbeiten.
Outline:
Einleitung
Umgangsformen in sozialen Begegnungen
Verhaltensregeln
Ehrerbietung
Vermeidungsrituale
Zuvorkommenheitsrituale
Benehmen
Zeremonielle Entweihung und Verletzung
Umgangsformen in öffentlichen Verkehrsmitteln
Einsteigen
Aufstellen und Platzwahl
Blickwechsel
Wortwechsel
Civil inattention
Schluss
Bibliographie
Textauszug
Goffmans Intention in seiner Arbeit über Interaktionsrituale besteht darin, die Bedeutungszusammenhänge zwischen Individuen und ihren symbolischen Handlungen zu analysieren. Er versucht dabei einen systematischen Begriffsapparat herauszubilden, mit dessen Hilfe er die Interaktionsrituale, die sich zwischen Interaktionspartner abspielen zu beschreiben. Grundvoraussetzung für die Untersuchung Goffman ist hierfür die Zusammenkunft (gathering) von zwei oder mehr Personen, die gemeinsam anwesend sind. Zusammenkünfte können verschiedene Formen annehmen. Sie können eine zentrierte oder eine nicht-zentrierte Form aufweisen. Eine zentrierte Interaktion (focused interaction) liegt vor, wenn die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf einander bezogen ist, bzw. ein gemeinsames Zentrum visueller und kognitiver Aufmerksamkeit vorhanden ist. Beispiele für eine zentrierte Interaktion oder Begegnung sind alle Arten von Gesprächen, ein tanzendes Paar oder auch zwei, ins Spiel vertiefte spielende Mühlespieler. Die letzten beiden Beispiele verdeutlichen, dass zentrierte Interaktionen nicht unbedingt Sprechhandlungen beinhalten müssen.
Tags:Benehmen, Ehrerbietung, Vermeidungsrituale, Zuvorkommenheit, Goffman, Hirschauer, Anstand, Anstandsregeln, Etikette, Verhalten