Gottfried Benn, "Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke"
Literarische Analyse des besagten Gedichtes aus der Feder von Gottfried Benn
1,420 Wörter (
ca. 3.6 Seiten) |
1 Quelle |
2009
Published on: 14.12.2009
Inhaltsangabe:
Die Drastik in Gottfrieds Benn expressionistischer Lyrik schlägt sich insbesondere in seiner Flugschrift Morgue und andere Gedichte (1912) nieder, die durch makabre Themen und einen zynisch-provokanten Ton von sich reden machte. Auch spricht er dem Menschen seine evolutionäre Vorrangstellung ab, wie es sich in seinem berühmt gewordenen Zitat „Die Kröne der Schöpfung, das Schwein, der Mensch“ bündelt. Den Menschen seiner spirituellen Dimension zu berauben und ihn in seiner fragilen Körperlichkeit, Krankheitsanfälligkeit sowie seinem die Endlichkeit veranschaulichenden Verfall, ist Benns Hauptanliegen. Damit stößt er den Menschen unwiederbringlich vom Sockel seiner Idealvorstellung, ein hehres Abbild Gottes zu sein, und stellt ihm seine diesseitigen Schwachpunkte entblößend vor Augen.
1. Hinführung
2. Telegrafisch-sterile Beschreibungskunst
3. Krebskranke als Unmenschen
4. Der Mann als Eingeweihter
Aus der Arbeit:
Dem Gedicht ist keinerlei emotionale Anteilnahme anzumerken. Das lyrische Ich befleißigt sich einer kühlen Sprache, die beinahe an eine bürokratische Inventur gemahnt. Dem Mann, der die Sprecherrolle in diesem Gedicht innehat, scheinen die so abstoßend-verstörende Zustände, wie sie in der Krebsbaracke vorherrschen, nicht länger das Gemüt zu verdüstern, da sie ihm zur absoluten Selbstverständlichkeit geworden sind. Er beschränkt sich darauf, Gegebenheiten konzis und scharf umrissen zu konstatieren. So leitet er seine verbalisierten Beobachtungen etwa ein mit einem Einschluss der Gesamtheit: „Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße / und diese Reihe ist zerfallene Brust / Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich“. Jede Reihe wird auf eine Synekdoche (Schöße, Brust) zusammengeschmolzen, woraus man schließen kann, dass die der todbringenden Erkrankung anheimgefallenen Körperteile in den Fokus seines empirischen Blickes gerückt sind.