Dieser Aufsatz wirft ein Schlaglicht auf die marginale Rolle Jesu innerhalb der "Fleurs du mal" von Charles Baudelaire, die sich durch eine kritisch-revolutionäre Haltung dem Christentum gegenüber auszeichnen.
Die Analyse zieht insbesondere die beiden Gedichte "Bénédiction" und "Le Reniement de Saint Pierre" zur Exemplifierung der aufgestellten Thesen heran.
Aus der Arbeit:
Nachdem im Widmungsgedicht Au lecteur ein polyphoner Lobgesang auf seinen Widersacher Satan angestimmt worden ist, ist es Bénédiction, das eigentliche Eröffnungsgedicht der Fleurs du mal, das Jesus in den Vordergrund rückt. Jedoch wird nicht dessen Geschichte erzählt, sondern vielmehr die Alternativfassung seines Lebens, die der « Poète » (V.2) durchlebt. Vor allem die Verfluchung erhofft unverbindlicher und kurzlebiger Genüsse (V.7) lässt den Verdacht auf eine Anspielung zu hoher Wahrscheinlichkeit aushärten. Schließlich hallt darin das an Maria vollbrachte Werk des Heiligen Geistes wieder, das die Geburt Jesu bewirkt hat. Im Gegensatz zur entbehrungsreichen Flucht, die Maria und Josef aufgrund der von Herodes veranlassten Volkszählung auf sich nehmen müssen, kommt es der die unerwünschte Leibesfrucht Empfangenden in diesem Gedicht zupass, auf so martialische Weise ihres ‘Ballasts’ entledigt zu werden, wie es dem von Rom eingesetzten Vasallenkönig der Überlieferung nach vorschwebte.