Nietzsches Essay "Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn" von 1872, war zu Nietsches Lebzeiten ein unveröffentliches Frühwerk das aber bereits viele späteren Gedanken des Philosophen vorweg nimmt. Diese Sachtextanalyse legt auszugsweise die Argumentationsstruktur dar und erörtert die Schlüssigkeit der Argumente. Die Erörterung kommt zu dem Schluß, daß die Position Nietzsches, nämlich ein Plädoyer für die Unzulänglichkeit der Worte, in der Fragestellung schon zu Beginn der Argumentation sehr deutlich ist und von Nietzsche nicht mehr ausführlich überprüft wurde. Die Sachtextanalyse untermauert diese Kritik anhand einiger Beispiele und Argumente.
Aus der Arbeit:
Da der Gebrauch von Sprache für jeden Menschen innerhalb der Gesellschaft unabdingbar ist, steht „der Mensch der Wahrheit, der Forscher und der Philosoph“(Nietzsche spricht sie in seinem abschließenden Satz noch zusätzlich auf die ihnen bevorstehende Sackgasse an, vorausgesetzt sie sind konsequent) in einer ernsthaften Zwickmühle. Ob nun Rationalist (das Erschließen der Außenwelt durch Vernunft) oder Empirist (Erkenntnis durch Erfahrung) – beide bedürfen der Sprache. Und wenn man den Konsequenzen der von Nietzsche dargestellten Sprachablehnung konsequent begegnet, steht man vor einer Unmöglichkeit eines jeden Pragmatismus. – Wie kann man zu Erkenntnissen gelangen mit Hilfe einer durch und durch willkürlichen Stütze, der Sprache?