Untersuchungsgegenstand sind die Veränderungen im fränkischen Reich vor und um die Jahrtausendwende am Beispiel der Entwicklung der Kirche und der königlichen Herrschaft sowie der Regelung von Herrschaftsnachfolgen.
Essay Nr. 121 |
4,769 Wörter (
ca. 11.9 Seiten ) |
14 Quellen |
2009
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Inhaltsangabe
In dieser Arbeit werden die Veränderungen des Regnum Francorum anhand der Ereignisgeschichte sowie anhand thematischer Schwerpunkte dargestellt.
Bei der Regelung der Thronfolge haben sich ab dem Frühmittelalter zwei Tendenzen durchgesetzt, die eine historische Relevanz inne hatten: Die Nachfolge des ältesten Sohnes und die Teilung des Reiches unter allen überlebenden, legitimen Söhnen des Herrschers. Seit dem Tod Chlodwig I. wurde die zweitgenannte Variante praktiziert. In den politischen Systemen des Frühmittelalters war die Thronnachfolge für deren Funktionieren eine zentrale Frage, da ein Machtwechsel zur politischen Instabilität führen bzw. Unruhen verursachen konnte. Herrschaftsansprüche aufgrund ungeklärter Nachfolgeregelungen führten zu blutigen Erbfolgekonflikten oder zum Zerfall des Herrschaftsgebildes. Zu beachten ist, dass das Wort Regnum im 9. Jahrhundert keineswegs einen politischen Gesamtzusammenhang des karolingischen Herrschaftsverbandes bezeichnete, Reich war kein institutioneller Begriff.
Carlrichard Brühl weist außerdem darauf hin, dass zwischen horizontalen und vertikalen Teilungen im Regnum Francorum unterschieden werden muss. Unter vertikalen Teilungen versteht er die Errichtung von Unterkönigreichen für einen oder mehrere Söhne des Herrschers und horizontalen Teilungen, die zur Entstehung selbständiger Teilreiche führten. Abgesehen davon kann das Fränkische Reich nicht als autonome Rechtskörperschaft definiert werden, sondern war ein Zusammenschluss mächtiger Personen und deren Verbände.
Outline:
Die Herrschaftsnachfolge – Reichseinheit und Reichsteilung
Einleitung
Die Nachfolgeregelungen unter merowingischer und karolingischer Herrschaft
Die Idee der Individualsukzession der Ottonen
Die Kirche im fränkischen Reich
Das Mönchtum
Kirchenreformen und Mission
Bischofs- und Abtherrschaft - Das Reichskirchensystem
Bibliographie
Textauszug
''Nach dem Tod des Merowingischen Herrschers Chlodwig I., wurde das Großreich 511 erstmals unter dessen Söhnen geteilt, wie das oben genannte Zitat von Gregor von Tours im Rückblick bezeugt. Allerdings teilten die vier Söhne nach dem Tod des Vaters, das Reich unter sich auf und stützten sich dabei möglicherweise auf die von Chlodwig aufgezeichnete „Lex Salica“, die besagte, dass Land ausschließlich an männliche Nachkommen vererbt werden dürfe. Es gab keine zwingenden Regeln, die die Erbfolge in den 300 Jahren zwischen dem Tod Chlodwigs und der Herrschaft von Karl dem Großen regeln sollten. Der Wunsch nach Unteilbarkeit des Reiches oder die Absicht, eine Individualsukzession politisch einzuführen, standen nicht im Vordergrund. Nach einer Phase von Bruderkriegen verwandelte sich das Merowingische Reich durch den Aufstieg des Adels und die Konsolidierung der Teilreiche grundlegend, Chlothar II (582-629) konnte im Pariser Edikt von 614 ein neues Gleichgewicht des Reiches herstellen. Der wachsende Einfluss des Adels und der Verfall des Merowingischen Herrschaftsanspruches verhalf dem arnulfingischen Geschlecht zum Aufstieg.''
Tags:Thronfolge, Geschichte, Frankreich, Mittelalter